Unser Trabant 1.1 Limousine




Der Kaufzustand

So stand er im Juni 2006 in unserer Garage. Ein Trabant 1.1 in Togaweiß, gebaut im Juni 1989, Erstzulassung am 15.11.1989. Original, aber durch 18 Jahre Alltagseinsatz stark mitgenommen. Das Besondere: Es ist mit der Fahrgestellnummer 0000563 ein Fahrzeug aus der Nullserie der 1.1er- Baureihe. äußerlich auch erkennbar an den großen Rückleuchten und den alten Blechstoßstangen. Ebenfalls erwähnenswert: Die Dokumentation zum Fahrzeug. Rechnungen, Lieferschein und Schreiben des damaligen Werksdirektors Dr. Hipp sind komplett vorhanden.
Der Trabi kostete 1989 19.865,- Mark; abzüglich 970,- Mark Minderpreis Nullserie blieben 18.895,- DDR-Mark zu zahlen!


Die Demontage

Als erstes musste der Wagen demontiert werden. Dabei wurden alle Anbauteile und Kotflügel abgebaut. Die Motor- Getriebe- Einheit wurde mit dem vorderen Fahrschemel von der Karosse geschieden und erstmal in der Garage gelagert!
Dann erst offenbarte sich das ganze Ungemach. Die große Stärke des Trabi ist seine Robustheit und Zähigkeit, aber auch er hat auf Dauer dem Zahn der Zeit nichts entgegenzusetzen.
Alles Jammern half nichts: Rücken durchdrücken war die Devise!


Der Unterboden und der Blick in die Hohlräume

Den Beginn der Karosseriearbeiten bildete eine Bestandsaufnahme. Im Laufe der Jahre hatte sich der Rost an allen Ecken des vermeintlichen Pappkameraden zu schaffen gemacht.
Eine Kippvorrichtung, Zubehör für den Trabant aus dem VEB Schachtbau Nordhausen, musste her. Diese sollte in keinem wohlsortierten Trabi- Haushalt fehlen.
Alle vier Viertelschalen, das Geweih vorne rechts, das Schwellerendstück rechts und diverse Löcher in Schwellern und Säulen mussten großflächig mit der Flex entfernt und anschließend mit Reparaturblechen geschweißt werden. Dabei bot es sich natürlich an, alle geöffneten Hohlräume von innen zu begutachten.
Der Tank war natürlich auch an einer Halterung stark angegriffen. Nachdem er mit Wasser gefüllt war, ließ sich auch diese Stelle schweißen.
Nach erfolgter Reparatur und Konservierung sah die Welt schon besser aus!


Die beplankte Karosserie und die Fahrt zum Lackierer

Nach erfolgten Schweiß- und Konservierungsarbeiten stand die Beplankung der Karosserie an. Während im VEB Sachsenring die Duroplastteile mit Kitt, Nieten und Schrauben befestigt wurden, kann man heute aus einer Vielzahl von qualitativ hochwertigen, dauerelastischen Klebern zurückgreifen. Wir entschieden uns für Sikaflex aus dem Hause Henkel. Grob gerechnet benötigt man für ein Karosserieteil eine Kartusche. Diese kommt in die übliche Kartuschenpresse und der Kleber wird schön satt aufgetragen.
Wichtig: Vor dem Kleben der Kotflügel müssen die Türen mit Außenhaut verbaut werden, da nach den Türen die Kotflügel ausgerichtet werden. In umgekehrter Reihenfolge ist eine korrekte Herstellung der Außenbündigkeit kaum mehr möglich.
Nach dem Auftragen des Klebers werden die Kotflügel auf die Karosse gelegt. Dann wird die Außenbündigkeit zu den Türen hergestellt – Schuppenprinzip beachten, das vordere Bauteil steht ca. 0,5 mm weiter heraus als das Nachfolgende. Die Kotflügel werden zusätzlich mit den vorgesehenen Nieten und Schrauben befestigt und mit Keilen und Schraubzwingen bis zur Aushärtung des Klebers fixiert.
Danach ging es ab zum Lackieren.
"Sieht doch schon wie ein Trabi aus, oder?"


Die Hinterachse

Die vorhandenen Hinterachskörper waren stark korrodiert. Deshalb haben wir uns für gut erhaltenen Ersatz entschieden. Die neuen Achskörper wurden sandgestrahlt, mit Zink grundiert und anschließend pulverbeschichtet. Danach erfolgte die Komplettierung ausschließlich mit Neuteilen. Im Einzelnen: vollgekapselte Radlager, Radbremszylinder, Bremsbeläge und Bremsleitungen. Die Hinterfedern wurden ebenfalls gestrahlt und gepulvert. Die Montage der Federbeine erfolgte mit neuen Stoßdämpfern. Die verwendeten Schrauben und Muttern waren wie alle am Fahrzeug neu oder chemisch entrostet und anschließend gelbverzinkt.


Die lackierte Karosserie

Im Oktober 2007 kehrte die lackierte Karosse in unsere Garage zurück. In der wohl schönsten aller Trabifarben – gletscherblau!
Die Frage "Originalfarbe (Togaweiß) oder Wunschfarbe" hat uns einige Zeit beschäftigt. Die Entscheidung fiel zugunsten des Geschmacks, zumal Gletscherblau auch beim 1.1 er erhältlich war. Ein Trabi in Togaweiß kommt nicht halb so gut zur Geltung!
Mittlerweile fand sich im März 2008 auch der Triebsatz frisch renoviert wieder ein. Ölwanne, Zahnriemen, Wasserpumpe und alle Dichtungen wurden neu verbaut.



Die Hochzeit und die Montage

Nun kam die schönste Zeit: Der Trabi erstand wie seinerzeit am Fließband Stück für Stück neu – nur mit mehr Ruhe und Sorgfalt!
Ungefähr 1,5 Jahre nach der Scheidung des Motors von der Karosse fand am 29.03.2008 die zweite Hochzeit statt. In den nächsten 2 Monaten wurde der Wagen mit neuen und aufgearbeiteten Teilen komplettiert. Zweifelsohne die schönste Phase einer Restauration, da man sich praktisch auf der Zielgeraden bewegt.



Die detailierten Fotos des fertigen Fahrzeuges



Jetzt ist er (eigentlich schon) fertig!



Die Preise zum 15. ITT und zum 1. Tagestreffen

Unser 1.1er ist uns dank genauer Recherchen und akribischer Detailarbeit sehr gut gelungen. Der Meinung waren auch die Juroren des 15. ITT 2008 in Zwickau. Dort belegten wir in der Klasse Youngtimer 1.1 den 1. Platz. Weiterhin würdigten auch die Preisrichter des Trabantclub Zwickau zum 1. Zwickauer Tagestreffen 2008 unseren Blauen mit einem ersten Platz in der 1.1er Klasse.
Abschließend bleibt noch zu erwähnen, dass die Zahl der original erhaltenen oder restaurierten Trabanten immer kleiner wird. Viele werden immer noch im Alltag verschlissen oder zu PS- Monstern umgebaut. Aber von vergangenen Zeiten werden nur die "Originalen" berichten...